
Herz-Lungen-Maschinen (HLM), die bisher bei Kindern zum Einsatz kommen, sind konzeptionell überwiegend Geräte für Erwachsene, deren Einzelkomponenten lediglich verkleinert wurden. Dieser Verkleinerung sind aber Grenzen gesetzt, z. B. durch die benötigte Gasaustauschfläche, die benötigten Schlauchverbindungen der Komponenten untereinander etc. Um eine HLM speziell für den Einsatz an früh- und neugeborenen Kindern zu konzipieren, müssen daher gänzlich neue Konstruktionsansätze verfolgt werden.
Am Lehrstuhl für Angewandte Medizintechnik, Helmholtz-Institut, RWTH Aachen, wird daher in Zusammenarbeit mit der Kinderherzchirurgie des Universitätsklinikums Aachen eine neuartige hoch integrierte Herz-Lungen-Maschine (MiniHLM) entwickelt. Das primäre Ziel der MiniHLM ist, durch eine Reduktion von Füllvolumen und Fremdkörperoberfläche eine Verminderung der häufig beobachteten Komplikationen zu erreichen. Erste Tierversuche zur Validierung des Konzeptes konnten bereits erfolgreich durchgeführt werden.
Angeborene Herzfehler treten mit einer Häufigkeit von 0,8 % bei Neugeborenen auf. Die Korrektur dieser Herz- und Gefäßmissbildungen wird durch den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine (HLM), die eine Aufrechterhaltung der Körperperfusion und der Körperoxygenierung gewährleistet, ermöglicht. Dieser extrakorporale Kreislauf kann jedoch, insbesondere bei kleinen Neugeborenen, zu einer akuten systemischen entzündlichen Reaktion sowie zur Schädigung der Gerinnungssysteme führen [1]. Diese Patienten leiden postoperativ an Fieber und Fehlfunktionen verschiedener Organsysteme in unterschiedlichem Ausmaß.
Bei Patienten, die mit einer herkömmlichen HLM operiert wurden, konnte der Zusammenhang zwischen schwerwiegenden Komplikationen, wie das Multiorganversagen und das Capillary-Leak-Syndrom, und den durch den extrakorporalen Kreislauf bedingten entzündlichen Reaktion hergestellt werden [2]. Bisher barg der Einsatz der HLM bei Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht von 1000 g (Blutvolumen ca. 85 ml) wegen dieser gefürchteten Schädigung aller Organsysteme hohe Risiken. Das statische Füllvolumen einer für Säuglinge gebräuchlichen HLM beträgt allein 400 ml. Das Blutvolumen eines neugeborenen Kindes mit einem Gewicht von 3500 g beträgt jedoch nur 300 ml. Daher bedeutet selbst für Neugeborene der Anschluss an eine HLM mit einem Füllvolumen von 400 ml trotz des Einsatzes von Fremdblut eine erhebliche Verdünnung des Blutvolumens sowie einen hohen prozentualen Fremdkörperkontakt mit erheblichen möglichen Komplikationen beim Kind.
Um die beschriebenen Reaktionen und Komplikationen erheblich zu vermindern, ist eine grundsätzliche Veränderung des Aufbaues der herkömmlichen HLM für Kinder notwendig, da bei der bisherigen Entwicklung dieser Systeme im wesentlichen die Einzelkomponenten der ursprünglichen HLM für Erwachsene lediglich verkleinert wurden. Diesem Konzept der Skalierung sind aber technische und physikalische Grenzen gesetzt, wie z. B. durch die notwendige Gasaustauschfläche. Um eine HLM speziell für den Einsatz an früh- und neugeborenen Kindern zu konzipieren, müssen daher gänzlich neue Konstruktionsansätze verfolgt werden.
Am Lehrstuhl für Angewandte Medizintechnik, Helmholtz-Institut, RWTH Aachen, wird daher in Zusammenarbeit mit der Kinderherzchirurgie des Universitätsklinikums Aachen eine neuartige hoch integrierte Herz-Lungen-Maschine (MiniHLM) entwickelt.
Die Grundlage für die Entwicklung der MiniHLM war, bei ausreichender Gasaustauschfläche ein Gesamt-Füllvolumen von unter 125 ml zu erreichen.
Um diese Vorgabe umsetzen zu können, wurde ein neuer Konstruktionsansatz verfolgt. Bei bestehenden HLM-Systemen sind üblicherweise die notwendigen Komponenten (Oxygenator, Pumpe, Wärmetauscher, Kardiotomie-Reservoir) als mit Schläuchen verbundene Einzelteile konzipiert. Hierauf wird bei der MiniHLM weitestgehend verzichtet, indem eine Rotationsblutpumpe zentral in den Oxygenator [3, 4] und ein Wärmetauscher in das Kardiotomie-Reservoir integriert wurde. Zudem ist der Auslauf des Kardiotomie-Reservoirs direkt mit dem Bluteinlauf der Rotationsblutpumpe konnektiert. Somit befinden sich die einzigen benötigten Schlauchverbindungen zwischen Patient und Kardiotomie-Reservoir auf venöser Seite und Blutauslass und Patient auf arterieller Seite.
Das System ist auf Grund seiner hoch integrierten Bauweise derart kompakt, dass der Blut führende Teil der MiniHLM direkt am OP-Tisch befestigt (Bild 1) und so zusätzlich auch die Länge der Kanülierungsschläuche auf ein Mindestmaß reduziert werden kann.

Nach dem erfolgreichen Proof-of-Concept wird die Funktion der MiniHLM nun sowohl in in-vitro-Tests als auch im Tiermodel (Kaninchen) eingehend getestet. Im Tierversuch wird der Brustkorb des Kaninchens eröffnet, das Kaninchenherz kanüliert, die Aorta abgeklemmt und das Herz mittels Blutkardioplegie stillgelegt. Für eine Stunde werden sowohl die Perfusion als auch der Gasaustausch ausschließlich durch die MiniHLM gewährleisten.
Die bisherigen in-vitro- und in-vivo-Versuche validieren das Konzept der MiniHLM. Im in vitro Versuch konnte mit der integrierten Pumpe der klinisch geforderte max. Blutvolumenstrom von 700 ml/min bei einer max. Druckdifferenz von 250 mmHg (unter Verwendung einer 8 Fr Kanüle und 3/16“ Schläuchen; Versuchsaufbau analog zu Tierversuchen) problemlos gefördert werden (Bild 2).
In Tierversuchen an weiblichen weißen Neuseeland-Kaninchen (n = 13; 4,1 ± 1 kg) konnte sowohl ein ausreichender Gasaustausch über den Oxygenator als auch ein adäquater Blutvolumenstrom über die Pumpe sichergestellt werden. 12 Kaninchen konnten nach einer Stunde Aorten-Abklemmzeit erfolgreich von der MiniHLM entwöhnt werden.

Mit der MiniHLM wird eine vielversprechende Herz-Lungen-Maschine für neu- und frühgeborene Kinder mit angeborenem Herzfehler umgesetzt. Die MiniHLM wird es auf Grund des geringen Füllvolumens und der minimierten Fremdkontaktfläche erlauben, auch bei Neugeborenen mit einem geringen Körpergewicht Herz- und Gefäßmissbildungen zu korrigieren. Einzelne Teilbereiche der MiniHLM werden iterativen Optimierungsprozessen und das Gesamtsystem weiteren Tests unterzogen.
[1] Kirklin JW, Westaby S, Blackstone EH, Kirklin JW, Chenoweth DE, Pacifico AD: Complement and the damaging effects of cardiopulmonary bypass. J Thorac Cardiovasc Surg 1983;86:845-857
[2] Seghaye MC, Grabitz RG, Duchateau J, et al.: Inflammatory reaction and capillary leak syndrome related to cardiopulmonary bypass in neonates undergoing cardiac operations. J Thorac Cardiovasc Surg 1996;112:687-97
[3] Meyns B: Indications for Rotatory Blood Pumps in Clinical Practice. Artificial Organs 25(5):323-326
[4] Strauss A, Cattaneo G, Arens J, Reul H, Steinseifer U, Schmitz-Rode T: Development of Highly Integrated Extracorporeal Membrane Oxygenator with Rotary Blood Pump - Concept and Functionality. Biomedizinische Technik 2005; 50 (1): 867-868