Immuntherapie von Rhabdomyosarkomen
Rhabdomyosarkome (RMS) sind die häufigsten malignen Weichgewebstumoren bei Kindern. Sie werden basierend auf der Morphologie, dem Immunphänotyp und vor allem dem Nachweis/Ausschluss wiederholt auftretender Translokationen (t(1;13) und t(2;13)) in folgende Typen:
Trotz aggressiver Hochdosis-Chemotherapien liegt die mittlere 5-Jahresüberlebenszeit von RMS zwischen 30-60%. Alveoläre RMS mit der Translokation t(2;13), sowie metastasierte RMS und RMS bei Kindern > 10 Jahre weisen sogar nur eine 5-Jahresüberlebensrate von 5-10% auf.
RMS-Zellen zeichnen sich durch die Expression des fetalen Acetylcholinrezeptors (fAChR) aus, welcher im adulten Menschen sonst nur in einzelnen Fasern der äußeren Augenmuskeln und in den (nicht denervierten) Myoidzellen des Thymus exprimiert wird. Während der normalen Muskelentwicklung führt die Innervierung in allen anderen Geweben zu einem Austausch der fetalen g-Untereinheit gegen die im adulten Acetylcholinrezeptor vorkommende e-Untereinheit. Damit stellt der „fälschlicherweise“ auf RMS Zellen vorkommende fAChR ein geeignetes Antigen für eine spezifische, antikörperbasierte Therapie dar.
Aufgabe der EMI-Gruppe
Im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit Prof. Gattenlöhner (Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Standort Gießen) arbeiten wir mit einem humanen, gegen den fAChR gerichteten scFv-Antikörper (scFv35). Dieser liegt als Fusion mit einer Deletionsmutante des bakteriellen Exotoxins A (ETA’) aus Pseudomonas aeruginosa vor. In unserer Gruppe wurde dieses Immuntoxin bereits in vitro charakterisiert und in ersten murinen in vivo Versuchen zur Therapie von RMS eingesetzt. Es konnte gezeigt werden, dass scFv35-ETA’ im Vergleich zur Kontrollgruppe zu einem verlangsamten Tumorwachstum führt.
Aufgrund der Immunogenität von Toxinen bakterieller Herkunft sollen im Laufe des Projektes humane Enzyme (wie z.B. die Ribonuklease Angiogenin oder die Protease Granzym B) anstatt ETA‘ als Effektordomäne eingesetzt und in in vivo Modellen mit scFv35-ETA’ als Standard evaluiert werden.
Die geringe Expression des fAChR auf RMS Zellen ist limitierend bei der Evaluation neuer RMS-spezifischer Therapeutika. Es ist bekannt, dass die Expression des fAChR nach Chemotherapie sowohl in vitro als auch in vivo gesteigert werden kann. Die Steigerung der Rezeptorexpression durch Inkubation der RMS-Zellen mit verschiedenen, bereits in der Literatur beschriebenen Agenzien ist ein weiteres Ziel dieses Projektes. Zellen mit gesteigerter fAChR-Expression werden anschließend in Mausmodellen zur Evaluation der oben beschriebenen Therapeutika eingesetzt.